Gregor Gysi und sein Buch 'Ein Leben ist zu wenig'

Gregor Gysi wurde 1948 in Berlin geboren. Er stammt aus einer Berliner Familie, deren Stammvater, der Seidenfärber Samuel Gysin (* 1681), im frühen 18. Jahrhundert aus Läufelfingen im Oberbaselbiet eingewandert war. Gregor Gysis Vater Klaus Gysi (1912-1999) war unter anderem DDR-Kulturminister, Staatssekretär für Kirchenfragen und Botschafter in Italien. Seine Mutter entstammt der jüdischen Kaufmannsfamilie Lessing; Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing war die Schwägerin seiner Mutter. 

In den 70er Jahren war Gregor Gysi einer der wenigen selbständigen Anwälte in der DDR. Von Ende 1989 bis 1993 war Gysi letzter Vorsitzender der SED-PDS und ihrer Nachfolgepartei PDS. Nach der erstmals freien Volkskammerwahl 1990 führte er ihre Fraktion in der Volkskammer der DDR noch von März bis Oktober 1990 bis zur formellen deutschen Wiedervereinigung an. Daran anschließend war er von 1990 bis 1998 Vorsitzender der Bundestagsgruppe der PDS und von 1998 bis 2000 Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion. Im Jahr 2002 war er fünf Monate einer der stellvertretenden Bürgermeister in Berlin.

Seit 2005 ist Gysi wieder Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2005 bis 2015 war er dort Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion. Während des dritten Kabinetts Merkel war er von Dezember 2013 bis Oktober 2015 zusätzlich Oppositionsführer in der Legislaturperiode des 18. Bundestags.

Am 17. Dezember 2016 wählte ihn die übernationale Europäische Linke auf einem Parteitag in Berlin zu ihrem Präsidenten.

Gregor Gysi war und ist eine der zentralen und prominentesten Persönlichkeiten der PDS bzw. der Partei ‚Die Linke’ und wirkte prägend auf das politische Geschehen in der Bundespolitik seit der politischen Wende von 1989/1990 ein. Zu seinen politischen Erfolgen zählt die Transformation der vormaligen DDR-Staatspartei SED (der er ab 1967 angehört hatte) zur PDS und nach deren 2007 erfolgten Fusion mit der SPD-Abspaltung WASG schließlich zur Linken. Mit ihren tendenziell zunehmenden Wahlerfolgen und Mandaten in überregionalen Parlamenten auch in den westdeutschen Ländern trug Gysi maßgeblich zur bundesweiten Etablierung seiner links von SPD und Bündnisgrünen positionierten Partei bei.

Gregor Gysi gilt als glänzender Rhetoriker. 2017 wurde im in Aachen der Orden ‚Wider den tierischen Ernst’ verliehen, mit welchem bekannte Persönlichkeiten für ihre Individualität, ihre Beliebtheit und ihren Mutterwitz, v.a. aber für Menschlichkeit und Humor in ihrer Amtsführung ausgezeichnet werden. Begründet wurde die Verleihung damit, dass es Gregor Gysi wie kaum ein anderer Politiker in Deutschland verstehe, Menschen für politische Debatten zu faszinieren.

 

Im Zentrum der Veranstaltung vom 10. September in Bottmingen steht ein Gespräch des Journalisten Hans-Dieter Schütt mit Gregor Gysi über dessen Autobiographie ‚Ein Leben ist zu wenig’.